Freispruch eines Pokerturnierveranstalters trotz Re-Buy

Mittwoch, 29. August 2007

Das Amtsgericht Fürstenfeldbruck (3 Cs 33 Js 6775/07) sprach am 27.08.07 den Veranstalter eines Pokerturniers vom Vorwurf des Glückspiels frei. Die Staatsanwaltschaft München II hatte einen Strafbefehl wegen gewerbsmäßiger Veranstaltung eines Glückspiels erwirkt, gegen den Einspruch eingelegt wurde.

Das Turnier war auf mehrere Wochen angesetzt. Die Tagessieger sollten am Endspiel in Baden-Baden teilnehmen. Es wurde ein Entgelt von € 15,00 erhoben. Die Polizei beobachtete das Turnier und veranlasste die Gemeinde tags darauf, das Turnier zu untersagen, als sie feststellte, dass einige Spieler sich per Re-Buy „zurückgekauft“ hatten. Die Staatsanwaltschaft sah in Übereinstimmung mit den Bekanntmachungen der Innenminister der Länder in dem „Rebuy“ den Tatbestand des unerlaubten Glücksspiels, weil die Spieler dadurch ihre Gewinnchancen steigerten. Wegen der Länge des Turniers sah sie ferner die Gewerbsmäßigkeit erfüllt, die mit einer höheren Straferwartung verbunden ist.

In der mündlichen Verhandlung wies der Rechtsanwalt Ewald Zachmann darauf hin, dass es sich um ein „Sit and Go“ – Turnier handelte, bei dem an jedem Tisch ein neues Turnier ausgespielt werde. Ungeachtet dessen komme es auf das behauptete „Rebuy“ nicht an, da das wiederholt bezahlte Entgelt nachweislich nur der Deckung der Turnierkosten und nicht der Finanzierung des Gewinns diente, der ausschließlich von Dritten gesponsert worden war. RA Zachmann verwies auf das Urteil des BGH vom 29.09.1986 ( 4 StR 148/86) zu einer Kettenbriefaktion, in dem der BGH den Unterschied zwischen einem den Gewinn bildenden Einsatz, der notwendigerweise zum Tatbestand des Glückspiels gehöre, und einem Entgelt definierte, das von vornherein verloren ist und lediglich die Kosten der Organisation einer solchen Veranstaltung deckt. Deshalb sei das Turnier ein Unterhaltungsspiel und kein Glücksspiel gewesen. Dem schloss sich der Richter nach einer Woche Bedenkzeit an.

WSOP Europe startet am 6. September in London

Freitag, 24. August 2007

Endlich ist es soweit: Die WSOP kommt nach Europa, genauer gesagt nach London, also nicht aufs Festland aber doch nach Europa. Es wird drei Events geben und es haben bereits Promis wie Phil Hellmuth, Phil Ivey, Doyle Brunson, Eric Seidel, Eli Elezra, Gus Hanson, Jennifer Harman, Allen Cunningham, Howard Lederer und Jamie Gold zugesagt. Viele andere Persönlichkeiten des Poker werden ebenfalls im New Empire am Leicester Square erwartet. Die Termine sind folgende:

H.O.R.S.E 3-Day Event, Sep. 6th, £2,500 Buy-In
Pot Limit Omaha 2-Day Event, Sep. 8th, £5,000 Buy-In
Main Event No-Limit TexasHold'em 6-Day Event, Sep. 10th, £10,000 Buy-In

Natürlich werden wir hier über die Ergebnisse und den spannenden Verlauf des Turniers berichten.

Poker als Lebensschule

Dienstag, 21. August 2007

Die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland hat mich die Tage mit einem Artikel über die Ansichten des Juraprofessors Charles Nesson aus Harvard überrascht.

Nessons Konzept, dass er diese Woche auf einer Konferenz in Singapur vorstellen wird: Die Menschheit soll mehr Poker spielen. Und schon lösen sich die meisten gesellschaftlichen Probleme wie von selbst.

Er möchte das Kartenspiel weltweit an Schulen und Universitäten etablieren.

"Poker lehrt, selbstständig zu denken, es ist eine wesentliche Komponente der Individualität und ein zentraler Aspekt für das Verwalten der eigenen Ressourcen", sagt Nesson. Entscheider in der Wirtschaft könnten vom Poker lernen, wie man Verhandlungsgegner in die Falle laufen lässt. Teenager könne das Spiel Tugenden wie Geduld, Selbstbeherrschung und Respekt lehren. Jurastudenten verstünden durch Poker das Beweisrecht besser, und Diplomaten könnten die Kunst des Bluffens gewinnbringend in den internationalen Beziehungen anwenden. Für das persönliche Finanz- und Risikomanagement schließlich gebe es ohnehin kein besseres Lehrmittel als Poker, ist Nesson überzeugt. Durch das Kartenspiel lerne man, das Optimum aus den verfügbaren Ressourcen herauszuholen - und man lerne, wie man mit Anstand verliert.

Den vollständigen Artikel findet sich in der FTD vom 20.08.2007

Ich hoffe von Charles Nesson noch mehr zu hören. Als Pokerspieler teilt man natürlich sehr gerne seine Ansichten.

Dennoch erinnert er mich ein bisschen an den Wissenschaftler ;-) Timothy Leary, der in den 1960er und 1970er Jahren berühmt wurde, da er den freien und allgemeinen Zugang zu bewusstseinsverändernden Drogen propagierte.

Poker-Club Salzburg

Dienstag, 21. August 2007

Während meines Urlaubs hat mich dann doch noch die Pokerlust gepackt und ich bin für einen Abend über die Grenze ins nahe gelegene Salzburg aufgebrochen.

Als Deutsche können wir die Österreicher und ihre liberalen Möglichkeiten Pokerräume zu betreiben nur beneiden.

Die Geburtsstadt Mozarts mit seinen gerade mal 150.000  Einwohner bietet 4 Pokerclubs und 1 Casino.

Ich entschied aufgrund der guten Lage (direkt an der Autobahnausfahrt Nord hinter MacD) für den POKER-CLUB Salzburg-Nord (www.poker-club.at).

Ich traf an einem Donnerstag gegen 19 Uhr dort ein, an den 8-9 Tischen war absolut nix los. Dafür konnte ich mich noch für ein 20 € rebuy Turnier anmelden, dass um 20 Uhr starten sollte. 53 Spieler waren schließlich dabei.

Den ersten buy-in bekommt man als neuer Gast vom Club spendiert. Also nahm ich die Gelegenheit war, auch wenn ich mehr an einem cash game interessiert war. Die gab es erst nachdem die rebuy-Phase von 1h vorbei sein sollte. Ich schaffte es im 4. blind level (jeweils 20 min), in einer der ersten Hände nach der rebuy Phase ohne einen einzigen Pot gewonnen zu haben, auszuscheiden.

Das Spiel war bis dahin crazy und ich leider card dead. Ich musste 2 -3 spielbaren Hände preflop folden nachdem 2 Spieler all-in gingen und erwischte selbst aus den blinds keinen Flop. Meine beste hand war bis dahin AQo.

Nun aber zu der Hand mit der ich mich verabschiedete.

Level 4, Blinds 75/150, ich habe ca. 4.800 in chips. Ein preflop sehr loose und aggressiv spielender Typ rechts neben mir ist under the gun und eröffnet mit 450, ich erhöhe mit einem Pocket Pair Zehnen auf 1.000. Ein älterer, zahnloser Gambler, der vorher schon mal mit J8s zwei all-ins mitgegangen ist und gewann, callt noch in der small blind.

Der Flop geht auf mit TJ8. Ich treffe mein Set in einem gefährlichen Flop.

Mr. Zahnlücke wettet ohne Zögern 2.000 Chips, UTG steigt sofort aus und ich überlegte mir: Gleich all-in pushen oder bis zum Turn warten? Was hat der Kerl? JJ schließe ich aus, die hätte er nach meinen bisherigen Beobachtungen preflop all in gespielt.

Er hat den größeren Stack. Ich entschied mich also für den Turn und callte nur. Auf dem Turn geht alles rein, der Pot ist groß und ich komm ohnehin nicht mehr aus der Hand. Im besten Fall feuert er mit wenig bis gar nichts weiter. So nahm ich es mir vor.

Es turnt ein König, im Pot liegen 7.150 chips und die Zahnlücke geht sofort all-in. Ich schätzte ihn auf  2 Pair, ein Set Achten oder einen puren Bluff. AQ hielt ich aufgrund seiner Flop Wette in 2 weitere Spieler für unwahrscheinlicher, ist aber nicht auszuschließen. Ich callte also mit meinen letzten 1.800 chips. Der Bastard deckt natürlich den Straight mit AQ auf. Shit, also brauche ich doch noch das Full. Der River paart das Board leider nicht und ich konnte mir ein cash game suchen.

Es wurde PotLimit Holdem und später auch Omaha angeboten. Die Blinds sind 1/2, Minimum buy-in ist 20 Euro, ;-), Maximum 200 Euro. Mit gerade mal 100 Euro kaufte ich mich am höchsten ein. ;-) Die Leute dort ziehen lieber mehrmals 50 Euro auf. In Salzburg läuft es eben eine Nummer kleiner ab als in deutschen Casinos. Ich fand es okay, der Holdem-Tisch war sehr soft und angenehm zu spielen. Die Dealer sind gut ausgebildet und locker im Umgangston. Es wird sich z.B. nur geduzt.

Im Spiel wurde viel gelimpt und bis auf wenige Ausnahmen eher passiv agiert. Das konnte ich mit ein paar Karten ausnutzen, so dass ich meinen buy-in vervielfachen konnte.

Ich verbrachte also einen angenehmen, unterhaltsamen Abend unter Österreichern. Das Publikum war größtenteils zwischen 20 und Mitte 30, gemischt mit ein paar jung gebliebenen bis ca. 50.

Nur an den Dialekt und  das Flaschenbier konnte ich mich nicht gewöhnen. Nach 2 1/2 h cash game und 2 Heineken bekam ich Kopfschmerzen und  entschied mich den Abend zu beenden. An der Sprache lag es nicht. Der Spruch eines der etwas besseren Spieler in schönstem österreichischen Schmäh ließ mich den ganzen Abend schmunzeln:

„Das Pech, dass i an ainem obend hab, haben andere im gonzen Joa nät.!“

Autorenlesereise von Jan Meinert durch Deutschland – Die Termine

Freitag, 17. August 2007

Seit ich als Jugendlicher die Bücher von Charles Bukowski gelesen habe, ist es mein Traum, Autorenlesungen abzuhalten. Jetzt ist dieser Traum wahr geworden und ich freue mich schon auf die anstehenden Termine in Buchhandlungen in ganz Deutschland.

In den Buchhandlungen wird es einen Pokertisch geben und die Gäste haben die Gelegenheit, ein paar Hände zu spielen. Je nach Wunsch werde ich auch das ein oder andere Kapitel aus meinem Buch lesen. Preise gibt es ebenfalls und ich freue mich auch, die eine oder andere Frage beantworten zu können. Ich denke, es wird sehr spaßig werden und ich hoffe, ich werde nicht allzu oft geschlagen und wenn dann nur per Bad-Beat... Hier die Termine:

Frankental 6. September 2007, Buchhandlung Gondrom, Rathausplatz 8, 67227 Frankenthal, Beginn: 19.30 Uhr

Braunschweig 15. September 2007, Thalia Buchhaus, Hutfiltern 9, 38100 Braunschweig, Beginn: 13.00 Uhr

Eschwege 12. September 2007, Buchhandlung Heinemann, Marktstr. 7 – 9, 37269 Eschwege

Braunschweig 15. September, Thalia Buchhaus Braunschweig, Hutfiltern 9, 38100 Braunschweig, Beginn: 13.00 Uhr

Bochum 22. September 2007, Mayersche Buchhandlung, Kortumstr. 69-71, 44787 Bochum, Beginn: 14.00-17.00 Uhr

Berlin 27. September 2007, Buchhandlung Thalia, Pretower Platz 1, 13051 Berlin,

Beginn: 15.00 Uhr

Berlin 28. September 2007, Buchhandlung Thalia, Klosterstr. 3, 13581 Berlin-Spandau, Beginn: 14.00 Uhr

Berlin 29. September 2007, Buchhandlung Thalia, Eastgate-Center, Mahrzahner Promenade 1a, 12679 Berlin, Beginn: 12.00 Uhr

Dortmund 06. Oktober 2007, Mayersche Buchhandlung, Westenhellweg 9, 44137 Dortmund, Beginn: 14.00-17.00 Uhr

Coburg 10. Oktober 2007, Buchhandlung Thalia, Spitalgasse 21, 96450 Coburg, Beginn: 20.00 Uhr

Warendorf 11. Oktober 2007, Saal der Stadtbücherei Warendorf, Kurze Kesselstr. 17, 48231 Warendorf, Beginn: 20.00 Uhr, Veranstalter: Buchhandlung Ebbeke

Gelsenkirchen 13. Oktober 2007, Mayersche Buchhandlung, Bahnhofstr. 55-65, 45879 Gelsenkirchen, Beginn: 14.00-17.00 Uhr

Halle 16. Oktober 2007, Thalia Halle, Leipziger Straße 95, 06108 Halle, Beginn: 20.00 Uhr

Burscheid 9. November 2007, Buchhandlung Hentschel, Hauptstraße 26, 51399 Burscheid

Duisburg 10. November 2007, Mayersche Buchhandlung, Kuhstr. 33, 47051 Duisburg, Beginn: 14.00-17.00 Uhr

Olten/Schweiz 16. November 2007, Buchhandlung Schreiber, Kirchgasse 7, 4603 Olten, Beginn: 20.00 Uhr

Aachen 24. November 2007, Mayersche Buchhandlung, Buchkremerstr. 1-7, 52064 Aachen, Beginn: 14.00-17.00 Uhr

Augsburg 29. Februar 2008, Buchhandlung Thalia, Annastr. 21-23, 86150 Augsburg, Beginn: 20.00 Uhr

Erster voll elektronischer Pokerraum der Welt eröffnet

Montag, 13. August 2007

Neulich öffnete in den USA der größte und erste wirklich voll elektronische Pokerraum der Welt seine Pforten. Zu bestaunen ist dieses Unikum im „Four Winds Casino Resort“ in New Buffalo, Michigan, natürlich in den USA.

Dort wird an keinem Tisch, ja nicht einmal im selben Raum, ein Dealer anzutreffen sein. Die einzigen Personen die sich in dort neben den menschlichen Spielern aufhalten werden, werden die KellerInnen, die Person im Käfig und ein Supervisor sein. Dieser wird über sämtliche der 15 Tische ein waches Auge haben, um den reibungslosen und ausfallsicheren Spielbetrieb garantieren zu können.

An jedem der Poker-Pro Tische dürfen bis zu 10 Spieler Platz nehmen und ihr Glück und Können auf die Probe stellen. Das „Four Winds“ plant als Spielvarianten Limit und No Limit Texas Hold´em Cashgames, Limit und Pot Limit Omaha und Pot Limit Omaha hi/lo Cashgames sowie Single und Multi Table Turniere mit einer Vielzahl von Buy ins anzubieten. Die computergestützten Tische werden auch bei großen Turnieren wie zum Beispiel den Aussie Millions vertreten sein. Dabei wird dann das $1.000 Hold’em/Omaha Event auf den Poker-Pro Tischen ausgetragen.

Die elektronischen Tische, die die Geschwindigkeit des Online Poker mit der Psychologie des Live Poker verbinden, werden mit Sicherheit in Zufunft eine immer größere Rolle spielen.

Online-Poker begeistert vornehmlich junge Generation

Samstag, 4. August 2007

Das Marktforschungsinstitut TNS Emnid http://www.tns-emnid.com hat im Auftrag des bwin-Portals http://www.pokerroom.com eine Umfrage zu Onlinepoker durchgeführt. Es wurden 1.000 Deutsche zu ihren Vorlieben im Zusammenhang mit Online-Pokerspiel befragt.

Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Boom von Onlinepoker in Deutschland in erster Linie bei der jungen Generation unter 30 Jahren stattfindet.

Rund ein Viertel der unter 30-jährigen Deutschen gab dabei an, Onlinepoker gerne auszuprobieren, 12 % haben schon einmal aktiv im Netz gepokert. Bei der älteren Generation lässt die Online-Spielfreude dagegen rapide nach. In der Gruppe der 40- bis 59-Jährigen zeigen nur drei Prozent Interesse an dem Internet-Glücksspiel. Noch verschwindender wird die Begeisterung bei den über 60-Jährigen. Unter den Umfrageteilnehmern fanden sich gerade einmal zehn Personen in dieser Altersgruppe, die am Online-Poker Freude haben.

Laut Studie wollen viele Nutzer, die sich die Grundregeln angeeignet haben, ihr Können online erweitern. Acht Prozent der unter 30-Jährigen spielen mindestens einmal pro Woche Online-Poker. Allein bei PokerRoom.com sind derzeit rund elf Mio. User
weltweit registriert.

Da hat Emnid nicht nur meine Meinung bestätigt, dass Onlinepoker insbesondere eine Sache von jungen, ambitionierten Internet Nerds ist, die in den Low und Middle Limit Bereichen sehr oft für einen schärferen Wettbewerb sorgen als er in Casinos und Spielbanken bei den Live Games herrscht.