Jan Meinert ist Rechtsanwalt in Köln und Autor des Buches „Die Poker-Schule“
Ein Poker spielender Rechtsanwalt – wie passt das zusammen? Sehr gut. In meinem Job kommt es ständig darauf an, die Menschen zu durchschauen und sie abzuschätzen. Rasselt der nur mit den Säbeln? Oder steckt wirklich etwas dahinter.
Kann man beim Pokern fürs Leben lernen?
Durch das Pokern wird man zum menschlichen Lügendetektor. Man lernt vor allem Menschenkenntnis. Im ganzen Leben tricksen die Leute sich durch, geben vor etwas anderes zu sein, als sie sind. Es ist von Vorteil andere zu durchschauen. Ob das jetzt im Gerichtssaal ist, in der Wirtschaft oder bei der Partnerwahl.
Und man lernt auch selbst den Bluff fürs Leben?
Am Pokertisch ist man unter Geiern. Man wird ständig intensiv beobachtet. Es gilt in sich zu versinken, einen Schutzwall aufzubauen. Es ist extrem anstrengend, ein Pokerface aufzusetzen. Irgendwie gibt man nämlich immer so genannte „Tells“ ab. Körpersprache ist immer da. Wenn jemand merkt, dass ich eine gute Hand habe, ist sie nichts mehr wert. Dann setzt keiner mehr Geld.
Wie halten Sie ihr Pokerface aufrecht?
Man kann in Gedanken ein Gedicht aufsagen oder im Geiste das Vater Unser beten.
Was halten Sie von Frauen am Pokertisch?
Frauen haben bessere soziale Antennen. Sind besser darauf trainiert, Gefühle und innere Bewegungen zu lesen. Beim Pokern muss man völlig unterkühlt bleiben. Man braucht ein Herz aus Stein. Wenn eine schöne Frau am Tisch sitzt, hat sie einen klaren Vorteil. Dann sind Männer nicht mehr emotionslos, machen das Macho-Ding, denken: „Jetzt muss ich erst Recht gewinnen“. Dann hat sie schon fast gewonnen.
Sie haben eine „Poker Schule“ geschrieben. Kann man damit reich werden?
Beim Schachspiel zählt nur Können. Beim Roulette ist alles Glückssache. Poker liegt genau dazwischen. Lernen kann man Poker in zehn Minuten. Es zu beherrschen braucht ein ganzes Leben. Es ist gut, die Wahrscheinlichkeitsrechnung zu können. Wie wahrscheinlich ist es, dass noch ein Flush oder eine Straße kommt? Bei den großen Turnieren gewinnen immer dieselben Spieler. Die haben viel Erfahrung. Dann kann man mit Poker reich werden. Man kommt mit hundert Euro und geht mit mehreren tausend Euro nach Hause.Wem würden Sie gerne mal Poker beibringen?
Stefan Raab. Wenn ich den beim Spielen im Fernsehen sehe, denke ich mir: Bleib auf deinem Wok sitzen.
Jan Meinert: Die Poker-Schule, Knaur-Verlag, 7,95 Euro
Erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger, 2007, Nr. 55